Edelweiss am Seebacherhof
Ein Besuch auf einer Demeter-Landwirtschaft ohne Traktor: Pferde statt Maschinen, Wwoofer, Biokisterln und ein Stellplatz zwischen Obstbaum und Bienenstock.
Handarbeit statt Traktor: Zu Gast auf einer Demeter-Landwirtschaft
Bei unserem ersten SAL-Check-in haben wir uns einen ganz besonderen Bauernhof ausgesucht: Der Seebacherhof in Bad Mitterndorf im steirischen Salzkammergut ist eine biologisch kontrollierte Demeter-Landwirtschaft. Hier wird gänzlich auf Maschinen und Traktoren verzichtet, das Ernten ist großteils Handarbeit, das Pflügen übernehmen die hauseigenen Noriker-Pferde.
Bauer Rudl Seebacher will mit dem Verzicht auf schwere Landmaschinen die Verdichtung seiner Böden verringern und so die Humusschicht schonen. Außerdem ist es ihm ein Anliegen, das Wissen über die Arbeit mit Pferden in der Landwirtschaft zu bewahren und weiterzuentwickeln.
Monokulturen gibt es am Seebacherhof nicht, ebenso wenig wie Insektizide und Pestizide. Hier wachsen Kräuter, Blumen, seltenes Gemüse und Obst wild durcheinander. Unkraut heißt hier „Beikraut" und wird ebenfalls geduldet.
Wwoofer, Biokisterln und ein herzlicher Empfang
Am Hof haben wir viele Wwoofer kennengelernt. Sie ernten Gemüse, betreuen Hof und Tiere und kümmern sich um die sogenannten Biokisterln. Diese Holzkisten werden jede Woche mit dem aktuell verfügbaren Gemüse, Obst, Kräutern und Eiern gefüllt und den Kunden in der Region mit der Pferdekutsche CO2-neutral vor die Haustür geliefert.
Rudl ist ein sympathischer Mensch mit einer positiven Lebenseinstellung. Nachdem wir mit dem Van angekommen sind, wurden wir gleich herzlich begrüßt und lernten nach einer kurzen Besichtigung von Edelweiss auch gleich die Wwoofer kennen.
Eine weitere interessante Begegnung hatten wir mit Paul, einem Handwerker auf Wanderschaft. Der gelernte Gerüstbauer reist drei Jahre und einen Tag lang zu Fuß durch Deutschland und Österreich, ohne Smartphone, nur mit seiner traditionellen Uniform und ein paar Habseligkeiten ausgestattet.
Ein Stellplatz zwischen Obstbaum und Bienenstock
Der Stellplatz für uns befand sich im hinteren, ruhigen Teil des Hofes auf einem Stück Wiese neben einem knorrigen Obstbaum und einem Bienenstock. Wir hatten Strom und einen Lagerfeuerplatz zur Verfügung. Für das Abendessen sind wir zum Hofladen geschlendert und haben uns mit frischem Gemüse (Zucchini, Zwiebel, Eierschwammerl, Tomaten, Eiern) eingedeckt. Der Hofladen hat 24 Stunden offen, das Gemüse wird selbst gewogen und das Geld in eine Box geworfen. Wir sind an dem Abend noch lange beim Lagerfeuer gesessen, haben Gemüse-Eintopf gegessen und mit Rudls Schnaps auf den schönen Platz und die vielen interessanten Begegnungen angestoßen.
Am nächsten Tag (Frühstück: Eierspeise mit Eierschwammerl aus dem Hofladen) haben wir noch ein wenig den Hof erkundet, den Wwoofern beim Pflücken von Apfelminze und dem Packen der Biokisterln zugesehen und die Arbeitspferde auf der Weide bestaunt. Leider ist es sich nicht ausgegangen, sie in Aktion zu sehen, der Boden war noch zu nass zum Pflügen – aber wir kommen sicher mal wieder vorbei.
Solche Einblicke in gelebte Demeter-Landwirtschaft findest du auf vielen Höfen im Netzwerk – als Mitglied bei Schau aufs Land entdeckst du sie selbst.