Wenn der Regen ausbleibt: Was die Dürre mit der heurigen Ernte macht

Kaum Regen seit Jahresbeginn, weniger Ernte, weniger Futter: Was die Dürre 2026 für heimische Höfe bedeutet – und wie du sie unterstützen kannst.

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Einzelner Baum in einer weitläufigen, abgeernteten Ackerlandschaft.

Dass es heuer schon im Juni richtig heiß war, hast du wahrscheinlich selbst gespürt – am Balkon, im Garten oder einfach beim Aus-dem-Haus-Gehen. Und dass es seit Monaten kaum ordentlich geregnet hat, merkt man spätestens, wenn die Tomaten schlappmachen oder der Rasen braun wird.

Was im eigenen Beet ärgerlich ist, ist auf einem Bauernhof eine ganz andere Größenordnung. Daheim greift man zur Gießkanne. Ein ganzes Feld lässt sich nicht so einfach wässern. Ein Blick darauf, wie es den heimischen Höfen heuer geht – und warum das auch die betrifft, die selbst nichts anbauen.

So trocken wie lange nicht

Es ist nicht nur ein Gefühl. Laut GeoSphere Austria fiel in Österreich zwischen 1. Jänner und 30. Juni 2026 rund 27 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. In manchen Regionen – vom Montafon über den Salzburger Flachgau und das Innviertel bis ins Wald- und Weinviertel, ins Wiener Becken und Teile des Burgenlandes – war es sogar so trocken wie seit 1885 nicht mehr.

Wie groß das Loch inzwischen ist, macht ein Rechenbeispiel von GeoSphere-Klimatologe Alexander Orlik greifbar: Um den seit Jahresbeginn fehlenden Regen auszugleichen, müssten in den kommenden Wochen im Schnitt rund 160 Liter pro Quadratmeter zusätzlich herunterkommen. Das entspricht ungefähr einer vollen Badewanne, ausgeleert auf einem einzigen Quadratmeter. Und danach sieht es vorerst nicht aus: Flächendeckender Landregen bleibt laut Prognose aber aus.

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Bis zu 20 Prozent weniger Ertrag beim Weizen

Die Getreideernte läuft im August auf Hochtouren, mancherorts hat sie so früh begonnen wie kaum je zuvor – kein gutes Zeichen. Die Landwirtschaftskammer Österreich rechnet bundesweit mit rund 15 Prozent weniger Getreide als im Vorjahr. Bei Winterweizen geht man im Schnitt von bis zu 20 Prozent weniger Ertrag pro Hektar aus, im trockenen Osten liegt man teils deutlich darunter. Auf einzelnen Betrieben, vor allem im Burgenland, können die Einbußen noch viel höher ausfallen.

Das liegt nicht allein am heißen Sommer. Schon der trockene Winter und das trockene Frühjahr haben Spuren hinterlassen: Fehlt in dieser Zeit der Regen, bildet die Getreidepflanze weniger Halme und damit weniger Ähren. Kommen dann Hitze und Trockenheit im Sommer dazu, bleiben auch die Körner klein. Weniger Halme, kleinere Körner – am Ende fehlt die Menge, während die Qualität oft noch passt.

Dazu kommt eine Rechnung, die für viele Höfe nicht aufgeht: Niedriger Getreidepreis, hohe Kosten für Dünger, Diesel und Energie. Weniger Ernte, die dazu weniger einbringt, bei gleichzeitig hohen Ausgaben – das ist die Kombination, die heuer so vielen Betrieben zu schaffen macht.

Wenn die Wiese nicht nachwächst

Am deutlichsten trifft es das Grünland – also die Wiesen und Weiden, auf denen Rinder grasen oder von denen Heu und Silage für den Winter gemacht werden. Laut einer Umfrage des Marktforschers KeyQUEST rechnen Betriebe hier im Schnitt mit einem Drittel weniger Ertrag. Das sind die höchsten erwarteten Ausfälle überhaupt.

Der Grund ist naheliegend: Ohne Wasser wächst kein Gras. Und für ein einziges Kilogramm Heu braucht es rund 500 bis 600 Liter Wasser – Wasser, das heuer schlicht fehlt. Schon der erste Schnitt im Juni fiel vielerorts mager aus, und gerade der macht oft einen großen Teil des Jahresertrags aus.

Im Garten hilft der Rasensprenger. Ein Feld oder eine Weide flächig zu bewässern ist dagegen kaum machbar und aus Kostengründen fast nur im Obst- und Gemüsebau üblich. Was nicht nachwächst, lässt sich auch nicht einlagern – als Heu oder Silage für den Winter. Manche Höfe verfüttern deshalb schon jetzt ihre Wintervorräte oder müssen Futter zukaufen, Monate vor dem Winter.

Was du tun kannst

Der Klimawandel macht sich in der heimischen Landwirtschaft zunehmend bemerkbar. Ein paar Dinge liegen aber sehr wohl in unserer Hand und machen einen Unterschied:

Regional und ab Hof einkaufen.
Der wohl einfachste Weg, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen, führt über den Einkaufskorb. Wer beim Hofladen halt macht, die Eier von den Hühnern nebenan mitnimmt oder auf dem Bauernmarkt kauft, sorgt dafür, dass das Geld dort ankommt, wo die Arbeit passiert. Gerade in einem Jahr wie diesem macht das einen spürbaren Unterschied.

Achtsam sein mit Feuer und Glut.
Bei dieser Trockenheit reicht oft eine Kleinigkeit. Rund 85 Prozent der Waldbrände in Österreich haben menschliche Ursachen, und eine weggeworfene Zigarette oder ein Funke genügt, um trockenes Gras oder Laub in Brand zu setzen. Also: kein offenes Feuer in Wald- oder Feldnähe, keine Zigarettenstummel wegwerfen, beim Grillen doppelt aufpassen. Wer Rauch oder Flammen entdeckt, wählt am besten sofort 122.

Felder und Wiesen mit Respekt behandeln.
Was aussieht wie eine Abkürzung über die Wiese, ist für den Hof ein Stück Ernte. Gerade heuer, wo ohnehin so wenig wächst, ist jeder Halm wertvoll. Felder und Wiesen also bitte nicht einfach betreten oder queren – und Hunde am besten an der Leine führen.

Nichts liegen lassen.
Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht immer: Müll gehört mit nach Hause, nicht in die Natur oder auf die Wiese. Den Platz so hinterlassen, wie man ihn vorgefunden hat – oder sogar ein bisschen sauberer.

Es sind unspektakuläre Dinge. Aber genau daraus besteht Wertschätzung für die Menschen, die uns das ganze Jahr über mit Lebensmitteln versorgen – auch und gerade in einem Sommer, in dem es für die Felder kein Aufatmen gibt.

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